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6.9. Die Schimmelpilze zertören auch Farben und Anstriche

Wand- und Deckenanstriche werden bei ausreichender Feuchtigkeit von Schimmelpilze besiedelt, die muffigen Gerüche und Verfärbungen von grau bis schwarz (zum Beispiel durch Alternaria, Aspergillus und Cladosporium) grün (durch Penicillium-Arten) oder rötlich (durch Fusarium roseum) hervorgerufen und die Anstriche zerstören können. Dabei bauen die Enzyme insbesondere die mikrobiell abbaubaren Bindemittel in den Lacken oder Anstrichen ab. Es werden aber auch die enthaltenen Ölsäuren von Anstrichen verwertet. [124]

So wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts zur Herstellung der Tapetenfarbstoffe Arsenverbindungen (zum Beispiel Arsenoxid) verwendet. Scopulariopsis brevicaulis und andere setzten daraus die giftigen Verbindungen Trimethylarsin und Kakodyloxid (?) frei, die bei Menschen zu Vergiftungen und Todesfällen führten. Diese Farbstoffe werden nicht mehr verwendet. (Arsen verursacht mehrere Tumoren verschiedener Typen, z. B. Haut bis zu den Knochen. Arsen - der Urheber der meisten Krebsarten Ukrainisch)

Schimmelpilz auf Tapete und Farbe

Schimmelpilze auf Tapete, Zellkleber und Farbe nach einem Wasserleitungsschaden in einer leer stehenden Wohnung.

Für den Feuchtehaushalt von Beschichtungen muss immer der Wasseraufnahmekoeffizient (w-Wert) gemeinsam mit dem Diffusionswiderstand einer Farbbeschichtung (oder der damit gekoppelten Verdunstungsrate) beachtet werden. [125] Diese Werte sind als Laborwerte klar, verändern sich aber in der Praxis je nach dem vorliegenden räumlichem beziehungsweise auch äußerem Klima (Luftzug beziehungsweise Wind, Temperatur, Wärmestrahlung usw.). Nahezu alle Kunststoffdispersionen dienen als Nahrungsgrundlage für Schimmelpilze. Der Farbindustrie ist bekannt, dass bei reiner Lagerhalterung Fungizide und Bakterizide beigegeben werden müssen. Bei Dispersionsfarben wurden Trialkylzinnverbindungen verwendet. Speziell im Innenbereich neigen Dispersionsfarbanstriche auf einer Raufasertapete bei einer Kondenswasserbildung beziehungsweise einer hohen Luftfeuchte an der Wandoberfläche zu einer schnelleren Schimmelpilzbildung. Gegenüber den anderen Farbbeschichtungen (Kalkfarbe, Silikat- oder Leimfarben) befinden sich hier wegen dem größeren Dampfdiffusionswiderstand an der Oberfläche länger Feuchtefilme.
Die Schimmelschutzfarben sollen nicht flüchtig, licht- und luftbeständig, nur gering wasserlöslich und praktisch ungiftig sein. Das Fungizid muss sich aber im Feuchtigkeitsfilm lösen, so dass eine ausreichende Konzentration des Wirkstoffes vorliegt. Nur das gelöste Fungizid wird vom Schimmelpilz aufgenommen. Betrachten wir aber die fungizide Wirkstoffe. Das sind zum Beispiel chlorierte Phenole (p-Chlor-m-kresol, Tri- oder Pentanchlorphenol, Phenylquecksilberverbindungen unda.). Der Einsatz von PCP ist in der Union schon seit vielen Jahren verboten. Grundsätzlich lösen Schimmelfarben nicht das bauphysikalische Problem. Man tauscht praktisch nur ein Alltaggift durch ein anderes aus. Wenn schon solche Produkte verwendet werden sollen, dann nur auf kleine Flächen, wie zum Beispiel in Fensterlichten. Besser sind jedoch Antischimmelfarben ohne Fungizide, die auf physikalische Weise (Kristallbildung) wirken.

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